Rolf Hansson - Farbwalzen
Farbwalzen
In modernen Druckmaschinen sind die Walzen einer starken Beanspruchung ausgesetzt. Eine hohe Produktivität lässt sich nur erreichen, wenn die Druckmaschinen mehr oder weniger rund um die Uhr im Einsatz sind. Die Druckgeschwindigkeiten werden höher und die Rüstzeiten kürzer. Zwar erreicht man dadurch eine gleichmäßigere Maschinentemperatur, aber es besteht auch die Gefahr von allzu hohen Betriebstemperaturen. Druckmaschinen werden heute aus Platzgründen oft kompakt gebaut. Der Nachteil dieser Bauweise ist, dass die in den Druckwerken erzeugte Wärme unter Umständen nicht entweichen kann.
Energie
Die Energie, die benötigt wird, um das Gummituch in eine weiche Farbwalze zu drücken, wird in Wärme umgewandelt. Mehr Kraft (d.h. härtere Walzeneinstellung) erfordert mehr Energie und führt zu einer höheren Wärmeentwicklung.
Vier Faktoren tragen dazu bei, die Temperatur im Druckwerk einer Offsetdruckmaschine zu senken:
1. Die Temperierung der Verreiberwalzen
2. Das Feuchtmittel, dessen Eingangstemperatur meist ca. 12-15°C beträgt
3. Das Papier, vor allem in einer Rollenoffsetmaschine. Das im Druckspalt erwärmte Papier überträgt eine gewisse Wärmeenergie auf das Druckwerk.
4. Die Luft in der Druckerei. In Druckereien herrschen selten optimale Luftverhältnisse (eine relative Luftfeuchtigkeit entsprechend der Temperatur von 20-23°C). Das erschwert die Steuerung der Temperatur in der Druckmaschine.
Die Spielräume sind eng, und jede zusätzliche Wärmeentwicklung wird zum Problem. Deshalb kommt es darauf, die Temperaturerhöhung so gering wie möglich zu halten.
Die Eigenschaften der Farbe
Die Eigenschaften der Farbe sind in hohem Maße von der Temperatur in den Walzen abhängig. Steigt die Temperatur, nimmt die Viskosität der Farbe ab und die Rasterpunkte werden größer. Die Farbe nimmt überdies mehr Wasser auf und wird instabiler. Der Druck mit gleichmäßiger Einfärbung und stabilem Rasterpunkt wird zunehmend schwieriger, wie die Abbildung unten zeigt.
Die Abweichungen beim Auftragsdurchlauf werden oft viel zu groß.

Digitalbild 40% der Druckplatte wird 54,3 % Druckergebnis auf dem Papier. Gute Farb-/Feuchtmittelbalance

Digitalbild 40% der Druckplatte wird 52,5 % Druckergebnis auf dem Papier. Zu viel Wasser in der Farbe
Es besteht ein Zusammenhang zwischen Walzeneinstellung und Druckergebnis!
Die Temperatur im Farbwerk beruht im Wesentlichen auf der Einstellung des Walzenspalts. Offsetfarben könnte man als Halbfertigprodukt bezeichnen, weil sie erst durch Vermischen mit Feuchtmittel druckbar sind. Der Mischvorgang erfolgt im Walzenspalt. Hier wird Feuchtmittel in kleinen Tröpfchen in die Farbe verteilt.
Bei unzureichendem Anpressdruck wird die Farbe schlecht bearbeitet. Das heißt, sie erreicht die Druckplatte, bevor sie eigentlich „druckfertig“ ist.
Hinzu kommt, dass der Farbtransport vom Farbkasten zum Plattenzylinder gestört wird. Das führt leicht zu erhöhter Farbzufuhr, damit die Färbungsdichte beim Drucken die richtigen Werte erlangt. Es bildet sich ein Farbüberschuss im Farbwerk, dem wiederum mehr Feuchtmittel entgegengesetzt werden muss. Damit beginnt ein Teufelskreis, der nicht selten mit Tonungsproblemen und schlechtem Druckergebnis endet.
Eine zu harte Walzeneinstellung bewirkt einen deutlichen Temperaturanstieg, der sich am stärksten in der Walzenmitte bemerkbar macht. Die Auswirkungen davon wurden eingangs bereits beschrieben. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass sich die Walzen erheblich schneller abnutzen und verformen mit der Folge, dass die Farbbearbeitung in den einzelnen Partien des Farbwerks unterschiedlich ausfallen kann.
Eine exakte Walzenjustage lohnt sich!
Wollen Sie mehr darüber erfahren?
Weitere Informationen über Walzen erhalten Sie in dem Buch Offsetprinting. System in Balance von Rolf Hansson und Per Aviander, ISBN 91-631-7712-9. (Schwedischer Titel: Styrt Offsettryck. Handbok för den grafiska branschen, ISBN 91-631-7712-9)

Das Buch wird von vielen schwedischen Druckereien und Hochschulen genutzt und von Branchenverbänden zu Schulungszwecken verwendet.
Es ist erhältlich bei: Rolf Hansson Consulting. Tel +46-705-42 56 65 oder rh.consulting@telia.com




